Drei Länder, drei Ansätze – warum der „menschliche Faktor“ im Mittelmeerraum zum Game-Changer wird
Südeuropa steht im Frühjahr 2026 an einem entscheidenden Wendepunkt. Während Italien bereits in der Phase der operativen Umsetzung ist und Spanien sein bewährtes PIC-System modernisiert, verfolgt Frankreich mit seiner Tradition der „Operateurs d’Importance Vitale“ (OIV) einen eigenen, ambitionierten Kurs. Eines haben alle drei gemeinsam: Der Schutz von Personal – der „menschliche Faktor“ – rückt ins Zentrum der Compliance.
Und die Uhr tickt: Bis zum 17. Juli 2026 muss jeder EU-Mitgliedstaat seine „Kritischen Einrichtungen“ offiziell identifiziert haben. Für Unternehmen in Frankreich, Spanien und Italien bedeutet das: Die Vorbereitungszeit ist jetzt.
Italien: Der „Human Link“ als Leitprinzip
Italien hat mit dem Decreto Legislativo 134/2024 die CER-Richtlinie bereits in nationales Recht umgesetzt – und dabei einen bemerkenswerten Schwerpunkt gesetzt: den „Human Link“, also die menschliche Verknüpfung als zentrales Element der Resilienz.
2026 ist für Italien das Jahr der vollständigen operativen Compliance. Die zuständigen Behörden – die Agenzia per la Cybersicurezza Nazionale (ACN) und das Comitato Interministeriale per la Resilienza (CIR) – erwarten von den als „Infrastrutture critiche“ identifizierten Unternehmen den Nachweis implementierter Maßnahmen. Dazu gehören ausdrücklich:
- Strukturierte Hintergrundüberprüfungen für Mitarbeiter in sensiblen Bereichen
- Integritätsprüfungen für externe Dienstleister und Lieferanten
- Dokumentierte Verfahren zur kontinuierlichen Personalrisikobewertung
Spanien: PIC-System wird CER-konform
Spanien verfügt mit dem PIC-System (Protección de Infraestructuras Críticas) über eines der ausgereiftesten nationalen Schutzsysteme für kritische Infrastrukturen in Europa. Die Herausforderung besteht nun darin, dieses System an die erweiterten CER-Anforderungen anzupassen.
Die Aktualisierung des PIC-Gesetzes wird für Q1/Q2 2026 erwartet. Bereits jetzt ist absehbar, dass die CER-Integration den bestehenden Rahmen um wesentliche Elemente erweitern wird – insbesondere im Bereich der Personalprüfung. Das spanische System war bisher stark auf physische Objektsicherheit ausgerichtet; der Faktor Mensch erhält nun eine neue regulatorische Dimension.
Für Unternehmen in Spanien bedeutet dies eine Doppelbelastung: Sowohl die bestehenden PIC-Vorgaben als auch die neuen CER-Anforderungen müssen erfüllt werden. Frühzeitige Vorbereitung ist hier besonders wertschöpfend.
Frankreich: Vom OIV-System zur CER-Resilienz
Frankreich hat mit dem Konzept der „Operateurs d’Importance Vitale“ (OIV) seit Jahren eines der strengsten nationalen Schutzsysteme für kritische Infrastrukturen. Die Umsetzung der CER-Richtlinie baut auf diesem Fundament auf und erweitert es um den europaweit harmonisierten Resilienzansatz.
Das SGDSN (Secrétariat général de la défense et de la sécurité nationale) koordiniert die Anpassung. Frankreich galt bei Personalprüfungen bereits vor der CER-Richtlinie als streng – die Richtlinie formalisiert und standardisiert diese Praxis nun im europäischen Kontext. Für französische Unternehmen, die bereits OIV-konform arbeiten, liegt die Herausforderung vor allem in der Dokumentation und der grenzüberschreitenden Harmonisierung.
Besondere Herausforderungen im Mittelmeerraum
Die südeuropäischen Länder teilen spezifische Herausforderungen, die ihre CER-Umsetzung prägen:
- Hohe Abhängigkeit von Saisonarbeit und Subunternehmern: Gerade in den Sektoren Energie, Transport und Tourismus ist die Personalfluktuation hoch. Hintergrundüberprüfungen müssen nicht nur für Festangestellte, sondern auch für eine hohe Anzahl temporärer Arbeitskräfte skalierbar sein.
- Grenzüberschreitende Arbeitskräfte: Zwischen Frankreich und Spanien (Pyrenäen-Region), zwischen Frankreich und Italien (Alpen/Côte d’Azur) sowie innerhalb der gesamten Mittelmeerregion sind grenzüberschreitende Arbeitsmuster die Norm. Unterschiedliche nationale Screening-Tiefen werden hier zum operativen Problem.
- Bestehende nationale Systeme: Sowohl Frankreich (OIV) als auch Spanien (PIC) haben etablierte Systeme, die nun CER-kompatibel gemacht werden müssen. Diese Übergangsphase erfordert besondere Aufmerksamkeit, um keine Compliance-Lücken entstehen zu lassen.
Artikel 14 im südeuropäischen Kontext
Artikel 14 der CER-Richtlinie verlangt von kritischen Einrichtungen den Nachweis, dass ihr Personal vertrauenswürdig und überprüft ist. In Südeuropa hat dies besondere Brisanz: Italien hat den „Human Link“ explizit zum Kernprinzip erhoben. Frankreich formalisiert seine ohnehin strengen OIV-Prüfungen. Und Spanien muss sein bisher auf physische Objekte fokussiertes PIC-System um die menschliche Dimension erweitern. Für Unternehmen, die in allen drei Ländern operieren, wird ein einheitlicher Screening-Prozess zum kritischen Erfolgsfaktor.
Südeuropa wird CER-konform – ist Ihr Unternehmen bereit?
Die CER-Richtlinie ist seit 2026 geltendes Recht. Von Rom über Madrid bis Paris – die Anforderungen an Personalprüfungen steigen rasant. Validato unterstützt Sie mit strukturierten, rechtskonformen Background Checks, die nationale Unterschiede berücksichtigen und grenzüberschreitend funktionieren.