Survivorship Bias im HR: Warum wir das Offensichtliche prüfen und die entscheidenden Risiken übersehen
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Von Reto Marti, Co-Founder & COO, Validato
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Stellen Sie sich vor, wir schreiben das Jahr 1943. Die US-Air Force analysiert beschädigte Bomber, um deren Überlebensrate zu erhöhen. Die Einschusslöcher sind sichtbar. Die Ursache des Problems scheinbar klar. Doch genau hier lag der Denkfehler. Erst der Mathematiker Abraham Wald erkannte, dass nicht die sichtbaren Treffer entscheidend waren, sondern jene Bereiche, die keine Einschüsse aufwiesen. Denn Flugzeuge mit Treffern an Motor oder Cockpit kehrten gar nicht zurück.
Diese Erkenntnis ist heute als Survivorship Bias bekannt. Und sie ist hochrelevant für modernes HR-Management.
Was ist Survivorship Bias. Kurz erklärt
Survivorship Bias beschreibt einen systematischen Denkfehler. Wir analysieren nur die Fälle, die sichtbar sind. Wir ignorieren jene, die frühzeitig ausgeschieden sind oder nie auffallen konnten. Im militärischen Beispiel:
- Analysiert wurden nur die Flugzeuge, die zurückkamen.
- Nicht analysiert wurden jene, die abstürzten.
Im HR-Kontext passiert exakt dasselbe.
Der Survivorship Bias im HR-Alltag
Unternehmen analysieren ihre bestehende Belegschaft. Die „Überlebenden“.
Typische Fokuspunkte:
- Lücken im Lebenslauf
- Unsicherheit im Interview
- Subjektiver Culture-Fit
- Kommunikationsstil oder Auftreten
Diese Punkte sind sichtbar. Messbar. Diskutierbar. Folge: Es wird investiert in Interview-Trainings, Assessments, Soft-Skill-Tests und Onboarding-Programme. Das ist sinnvoll. Aber es adressiert primär die Flügel. Nicht die Motoren.
Die eigentlichen Risiken liegen im Unsichtbaren
Die grössten HR-Risiken zeigen sich selten im Interview. Sie liegen in Bereichen, die ohne strukturierte Prüfungen nicht sichtbar sind:
- Unvollständige oder falsche Angaben zur Vergangenheit
- Verborgene Interessenkonflikte
- Reputationsrisiken aus früheren Tätigkeiten
- Rechtliche oder regulatorische Auffälligkeiten
- Sanktionen, PEP-Bezüge oder wirtschaftskriminelle Verbindungen
Diese Treffer sehen Sie nicht. Genau deshalb sind sie gefährlich!
Warum klassische HR-Instrumente nicht ausreichen
Interviews prüfen Verhalten. Tests prüfen Persönlichkeit. Referenzen prüfen Meinungen. Was sie nicht prüfen:
- Faktenbasierte Historie
- Juristische und regulatorische Risiken
- Externe Datenquellen
- Internationale Verflechtungen
Ohne strukturierte Background Checks bleibt ein blinder Fleck. Und dieser Fleck betrifft oft genau jene Rollen mit hoher Wirkung:
- Management
- Finanzfunktionen
- Compliance-nahe Positionen
Background Checks als Antwort auf den Survivorship Bias
Professionelle Background Checks setzen dort an, wo HR-Prozesse naturgemäss enden. Sie fokussieren sich auf:
- Verifizierung statt Selbstauskunft
- Externe Quellen statt interner Wahrnehmung
- Prävention statt Schadensbegrenzung
Nicht um Misstrauen zu säen, sondern um fundierte Entscheidungen zu ermöglichen. So wie Wald es forderte: Panzerung dort, wo keine Einschüsse sichtbar sind.
Der Schweizer Ansatz von Validato
Validato unterstützt Unternehmen dabei, genau diese unsichtbaren Risiken systematisch zu adressieren. Unsere Grundsätze:
- DSGVO-konform
- Datenhaltung ausschliesslich in der Schweiz / EU
- Keine US-Cloud. Kein extraterritorialer Zugriff
- Klare Einwilligungsprozesse
- Menschliche Analyse. Kein Black-Box-Scoring
Ziel ist nicht Kontrolle. Ziel ist Risiko-Transparenz vor der Entscheidung.
Fazit: Bessere Entscheidungen beginnen dort, wo man nicht hinschaut
Survivorship Bias ist kein theoretisches Konzept. Er ist ein reales Risiko im HR-Alltag. Wer nur das Sichtbare prüft, schützt die falschen Stellen. Wer auch das Unsichtbare analysiert, schützt das Unternehmen. Oder anders gesagt.
Nicht jeder Treffer ist sichtbar. Aber jeder übersehene Treffer kann entscheidend sein.
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Über den Autor: Reto Marti ist Co-Founder und COO von Validato. Als Experte für operative Exzellenz und HR-Compliance verantwortet er den Aufbau rechtssicherer Screening-Infrastrukturen in hochregulierten Märkten. Sein Fokus liegt darauf, die komplexen Anforderungen der DSGVO sowie internationaler Compliance-Standards in effiziente, skalierbare und automatisierte Prozesse für moderne Unternehmen zu übersetzen. Vernetzen Sie sich mit Reto Marti: Reto Marti
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